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50 Jahre Rettungsspreizer

50 jähriges Jubiläum| Views: 1627

Text/Foto: Thomas Heckmann            Zu einem schweren Verkehrsunfall bringt die Feuerwehr ganz selbstverständlich Rettungsspreizer und Rettungsschere, um eingeklemmte Menschen zu befreien. In Ulm wurde vor 50 Jahren der erste Rettungsspreizer in ganz Europa in Betrieb genommen, eine Ausstellung im m25 hinter dem Ulmer Münster würdigt diese Ulmer Innovation.

Um den hydraulischen Spreizer in den Anfangsjahren in einem weiten Umkreis einsetzen zu können, wurde ein spezieller „Hubschraubersatz“ ab 1974 auch mit dem Ulmer Rettungshubschrauber „SAR Ulm 75“ zu Einsätzen geflogen. Wegen dieser Historie ist auch traumateam e.V. an der Ausstellung im m25 beteiligt.

Einer der Väter des Ulmer Rettungsspreizers ist Peter Mayer, Der heute 79-jährige war vor seinem Ruhestand stellvertretender Kommandant der Ulmer Feuerwehr.

Beim Gang durch die Ausstellung wird nicht nur der erste Rettungsspreizer gezeigt, sondern auch, wie man davor Menschen aus Fahrzeugen gerettet hat. „Die Brandgefahr war enorm“ erzählt Peter Mayer, wenn damals mit Trennschleifer und Gasbrennern zerdrückte Fahrzeuge aufgetrennt wurden, um Menschen zu retten. 1973 berichtete ein Vertreter für Feuerwehrgeräte den Ulmer Feuerwehrleuten, dass es in den USA ein neues hydraulisches Gerät gäbe. Die Ulmer waren von dem Gedanken so begeistert, dass sie ein solches Gerät bestellten und damit die Ersten in Europa waren, die mit der neuartigen Technik arbeiteten. Nicht ohne Stolz spricht Ulms aktueller Feuerwehrkommandant Adrian Röhrle bei einem Rundgang davon, dass solche Rettungsgeräte heutzutage in jedem Hilfeleistungslöschfahrzeug und in jedem Rüstwagen per Norm vorgeschrieben sind.

Doch Anfang der 1970er Jahre hatten die Ulmer eine absolute Neuheit. Schere und Spreizer wurden hydraulisch betrieben, um das Antriebsöl unter Druck setzen zu können, ist ein Hydraulikkompressor notwendig. Der Kompressor hat einen Elektroantrieb, da es an der Unfallstelle normalerweise keinen Strom gibt, war noch ein Stromgenerator notwendig, der 5 000 Watt Leistung brachte. Alleine dieser Generator wog über 90 Kilogramm. Mit nicht einmal fünf Meter Hydraulikschlauch, war der Aktionsradius recht eingeschränkt. Um die Gerätschaften zur Einsatzstelle zu bringen, wurde alles in einem Ford Transit eingebaut, der heute im Museum der Fahrzeugfreunde der Ulmer Feuerwehr zu besichtigen ist. Der Original-Spreizer ist derzeit im m25 zu sehen genauso wie aktuelle Geräte.

1974 forderte eine Feuerwehr im Landkreis Heidenheim den Spreizer zu einem Verkehrsunfall an. Um schnell in Heidenheim zu sein, wurde die Ausrüstung in den damals noch neuen Ulmer Rettungshubschrauber verladen, der an der Wilhelmsburg stationiert war. Aber selbst für die Bell UH-1D war der Spreizer samt Zubehör zu sperrig. Deshalb wurde in Ulm eine leichtere Version entwickelt, die mit einem Benzinaggregat direkt angetrieben wurde. Seit 1978 wurde ein weiterer Spreizer in einen Chevrolet Geländewagen eingebaut und auch heute ist die Ulmer Feuerwehr mit einem großen Rettungsspreizer in einem Geländewagen unterwegs, der auch von Lkw-Karosserien nicht aufgehalten wird.

Einer der spektakulärsten Einsätze war für Mayer der Unfall eines Panzers auf dem Truppenübungsplatz bei Münsingen. Im Juni 1976 verunglückte ein Jagdpanzer auf einer abschüssigen Straße und stürzte in eine Böschung. Das Kanonenrohr schlug in das Innere des Panzers, klemmte den Kommandanten ein und verletzte ihn schwer. Der Bundeswehr gelang es mit zwei Bergepanzern nicht, das Kanonenrohr vom Eingeklemmten wegzuziehen. Mit dem Ulmer Rettungsspreizer und der guten Idee eines Waffenmeisters gelang es, das Kanonenrohr so anzuheben, dass es wieder in seine normale Position schnappte und der Kommandant befreit war. Bis heute, 47 Jahre später, bedankt sich der Panzerkommandant jedes Jahr am Unfalltag mit einem Brief bei Peter Mayer, der ihm damals mit seinen Kameraden das Leben rettete.

Die Ausstellung der Rettungsgeräte wird durch Schautafeln, interaktive Vorführungen und Filme ergänzt. Sie ist bis zum 15. Oktober im m25 am Münsterplatz 25 in Ulm mittwochs, donnerstags, freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags vom 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Ausstellung wurde durch traumateam e.V. organisiert und konnte dank der Unterstützung des Modehauses Steingass, die mit einer Schaufensterpuppe unterstützt haben, realisiert werden. Thomas Heckmann und die Firma Weinmann stellen freundlicherweise für die Ausstellung den in Ulm entwickelten „Ulmer Koffer“ zur Verfügung. Diese bewährten Koffer sind teils bis heute noch im Einsatz.

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